
6 Minuten bis zur Ewigkeit
Heute will ich Mann sein
Reich sein
Der Star der Nacht sein
Es wird Kunst von Artisten geboten
In einer Galerie mit einem Namen
Wie Meerschaum
In der Straße der Feen-wälder
Ich fühle mich schön
Frisch gebadet wohlduftend
Entspanntes Gemüt
Die Farbe ist Schwarz
Androgyn ist das Motto
Ich zerbreche alle Moderegeln
Seidenes Hemd silberne Paillettenweste
Enge Skihose Lederhosenträger
Hochgeschnürte Springerstiefel
Einen breiten Gürtel
Zweimal um den Hals gewickelt
Nun stehe ich als Symbol des Anti-Modediktats
Vor dem goldenen Spiegel
Ich ziehe meine Marlon Brando
Lederjackenkopie aus dem Film
Der Rebell
An
Ich sehe den Ultracoolen im Bild
Die Reflektion meines Alter-Egos
Welches die Kraft hat
Mich durch die Nacht zu manövrieren
Auf der Straße starren sie schon
In der U-bahn tuschelt ein Pärchen
Er deutet wissend
Sie ist sich nicht sicher
Ein Promo in der U-Bahn
Nicht das ich der Einzige wäre
Aber in meiner extravaganten Kluft
Rage ich wie ein Riese
Über die wie Puppen
Austauschbaren Kaufhausbekleidungskopien
Ich steige am Bahnhof Zoo um
Warte auf die U 9
Stelle mich neben eine Gruppe
Der U-Bahnpolizei
Sie sind
Mit einem Schäferhund bewaffnet
Mit Maulkorb
Liegt das Tier zahm am Boden
Meine eigene kleine Schutzpatrouille
Gegen Promophobisches Verhalten
Ein Betrunkener kommt vorbei
Wackelt in seinen Cowboystiefeln
Hält sich fest an einer leeren Dose Bier
Zuerst ignoriert er alle
Aus sicherer Entfernung
Schreit er
Ihr Dreckskerle ihr Stasischweine
Zumindest hat er keine Obszönitäten
In meine Richtung gerufen
Die Lage ist klar
Der Zug kommt
Nur noch ein paar Stationen
Und ich kann in meine Welt abtauchen
Ich bleibe stehen warte auf meinen Stop
Ich missverstehe den Namen
Und steige zu früh aus
Mist
Jetzt muss ich noch mal 6 Minuten warten
An den Trennwänden zwischen den Gleisen
Befindet sich ein Stadtteilplan
Ich bin
In der Torstraße
Statt der Amrunerstraße ausgestiegen
So ist auch der Betrunkene von vorhin
Mist
Denke ich
Hoffentlich macht der keine Szene
Alle beobachten mich in meinem Kabarett-Outfit
Zu spät
Wie ein Magnet ziehen meine Gedanken
Den Störenfried an
Jetzt steht er schon hinter mir
Ich rieche seine Bierfahne
Wo willst du denn hin Scheisser
Raunzt er
Mist
Ich muss mich wohl mit ihm auseinander setzen
Ich bin zu früh ausgestiegen
Und warte auf die nächste Bahn
Ich treffe mich mit Freunden
Antworte ich
Ihn als menschliches Wesen akzeptierend
Ich habe keine Freunde sagt er
Ich gehe jetzt nach Hause und erhänge mich
Geschockt drehe ich mich zu ihm
Er erzählt
Das er seit 3 Wochen aus dem Knast raus ist
Er wäre für 2 Jahre eingesperrt gewesen
Weil er in München Probleme
Mit einem Polizisten hatte
Der ihn und einen Freund als Wichser
Bezeichnet hatte
Und er ihn dafür bei den Ohren packte
Und den Kopf des Bullen
Gegen sein hoch schnellendes Bein schmetterte
Ich versuchte ihn davon abzuhalten
Mir die Szene vorzuführen
Als er nach meinen Ohren griff
Hey lass das
Du gehst jetzt besser nach Hause
Bevor du schon wieder in Schwierigkeiten kommst
Erwiderte ich
Ich habe kein zu Hause und die haben schon wieder einen
Haftbefehl auf mich ausgesetzt
Schreit er
In den Untergrundschacht
So das es hallt
Die Leute starren uns an
Jetzt greift er mir auch noch an den Arsch
Und flüstert
Ich mag auch Promos ich bin nämlich geil
Und du hast einen besonders straffen Arsch
Ich schiebe seine Hand weg
Noch 2 Minuten bis mein Zug kommt
Er fummelt an seinem Hosenschlitz
Ich sehe uns beide schon verhaftet
Womöglich in die selbe Zelle gesteckt
Er hantiert immer noch mit den Knöpfen
Und verflucht den Typ der ihm die Hose
Geschenkt hatte
Er greift mir an den Schwanz
Um zu sehen ob ich einen Reißverschluss habe
Ich schiebe ihn schnell weg
Ich sage
Gib auf dich acht
Nach einer Ewigkeit
Ist mein Zug endlich da
Eilig bringe ich mich in Sicherheit
Er winkt mir nach wie ein betrunkener Idiot
Ich versuche mich zu sammeln
Die Erinnerung an diese makabre Situation
Abzuschütteln
Mein Mitgefühl ab zudämmen
Die einen sterben
Im sozialen Kampf
Die anderen Leben als ob nichts geschieht
Die Party geht weiter
Die Sprache der Dinge
Ein Gedanke ist das Licht
Das aus dem All der Möglichkeiten
Sich im Spiegel der Wirklichkeit
Reflektierend betrachtet
Eine Geste ist wie eine Blume
Die kurz aufblüht
Um sich dann in der Metamorphosis
Ins nichts auf zulösen
Ein Wort ist der Bote
Der auf Wellen vibriert
Um die Manifestation der Dinge
Zu verkünden
Die Sprache ist das Instrument
Eine Vertonung des Lebendigen
welches aus der Stille des Universums
Zum Leben erwacht

Die Schönheit liegt auf der Straße
Verkrümmte Fragezeichen
In den Trockenen-Tränen-Gesichter
Sprechen wie Bände voll dunkler Dichtung
Wörter geschrieen mit stummer Wut
Hallen in den tauben Ohrhöhlen
Einer kastrierten entpolitisierten Masse Mensch
Die Hässlichkeit der Gedanken
Frisst an der Skulptur der Menschenrechte
Die gierigen Blut-Richter
Balgen sich in der Banalität
Ihrer selbstgezüchteten Gerechtigkeit
Die terrorisierte Jugend entpuppt sich
Als der zukünftige Attentäter
Ohne Ladenhemmung
Neuzeit-Künstliche Idole verdrängen
Ur-Gewalt-Geprüfte Ideale
Die Kluft reißt an den verknüpften Lebenssträngen
Der hierarchischen Familienstruktur
Allein gegen alle und alles das als anderswertig fixiert wird
Der liberale Mensch wird
Zermalmt im Fleischwolf der Sinnlosigkeit
Einer idealisierten wertbefreiten Schöpfung
Die Illusion verblendet die Vision
Spirituelles Wachstum versteckt sich im Heiligen-Schatten
Der Angst verbreitenden dogmatischen Welt-Kirchen
Die sucht nach Geld wird zur Religion der Minderbemittelten
Die Schönheit liegt auf der Straße der Liebe
Der befriedigende Weg führt entlang universaler Vergebung
Im geöffneten Herzen ist die Lösung zu finden
Für die Zukunft einer verbesserten Menschheit

Young Boys
Ich renne durch die Stadt, renne ohne zu fühlen zu sehen was um mich geschieht.
Alle sind ein Hindernis auf dem Wege zu meinem unbekannten Ziel.
Es ist Spätnachmittag, etwas düster, melancholisch und es regnet geeiste
Tropfen, es ist plus 1 Grad.
Etwas aufgeputscht vom Fitnesscenter und den nackten Körpern in der Dusche
Streune ich umher wie ein geiler Hund in der Großstadt.
Es ist mir nicht möglich jetzt nach Hause zu gehen, diesem einsamen Ort
Der mich abriegelt von der Welt des Zufalls.
Ich schließe einen Kompromiss mit mir selbst, zuerst noch einkaufen fürs
Wartende Wochenende und als Belohnung auf einen Drink ins Kaffee.
Ein schwuler Vater mit seinem etwa 5 jährigen Sohn cruised die Regale
Bei Kaisers fürs Abendessen und gleichzeitig für eine männliche
Nachspeise.
Sein mit Tiefkühlkost gefüllter Wagen scheint mich zu verfolgen,
während sein Sohn quietschend alles aus den Regalen reißt ist er damit
beschäftigt mit mir Augenkontakt auf zunehmen um zu testen ob
Ich Interesse zeige.
Sorry kein Glück bei mir, meine Regel ist kein Mann mit Anhang,
Egal ob Hund, Kind oder Ex-Frau.
Ich packe mein Wochenendmenü in eine KaDeWe-Tasche die ich extra Mitgebracht
Hatte, es ist doof sich mit seinen Kaisers-taschen in ein Lokal zu setzten.
Einen Kaffee ohne Koffein bitte, hallo wie geht’s, es ist schön wenn einen
Das Personal kennt und grüßt, wie eine kleine Ersatzfamilie ohne die Dramen.
Man liest den Stern und alles ums gesunde Leben,
Dazwischen die Geschichte, der Aufstieg Amerikas zur Supermacht,
Im Vergleich mit dem Römischen Emperium – Amerikanum.
Hinter mir bestellt jemand in englisch bei meinem Lieblings-Kellner, der sich
Freundlicherweise abmüht die Speisekarte zu übersetzen.
Ein Amerikaner, jetzt bin ich neugierig geworden und spiele Spion, drehe mich
Leicht seitlich so das ich besser hören kann und ihn auch aus den Augenwinkeln Sehe.
Er ist älter, groß, schlank, Asch blond mit einem breiten Mund mit dünnen Lippen.
Ein gepflegter ältere Herr aus der Nähe von Detroit Michigan, frisch gelandet
In dieser gewaltigen Stadt.
Sofort bietet er dem Kellner 200 $ an um sein Führer zu sein,
Es würde seinen Aufenthalt soviel besser machen.
Leider muss dieser arbeiten und lehnt höflich aus welch immer Gründen ab.
Ich habe Mitleid mit dem Touristen, erinnere mich an Momente auf meinen Reisen
An denen ich gerne jemanden Ansässigen kennen gelernt hätte um mir
Das Suchen und Finden der richtigen Plätze zu erleichtern.
Ich überlege ob ich mich anbieten sollte, natürlich ohne Bezahlung so zusagen
Als ein menschlicher Akt der Nächstenliebe. Ich entschließe mich aber
Ab zuwarten und dem Schauspiel zu folgen.
Der Amerikaner lässt nicht locker und fragt nach einem Escortservice
Oder ob der Kellner nicht einen Freund hätte der Lust und Zeit hätte. Er versichert
Das er keinen Sex will, nur jemanden für Dinner und Theater sucht und er sollte
Natürlich englisch sprechen.
Ach du wärst so perfekt fängt er wieder an, kann man in dieser Bar junge
Männer treffen, sie heißt – Burschen – ein Freund hat es mir empfohlen.
Der Kellner kommt nun mit einem Kollegen der anscheinend Interesse hat,
Ein kleiner farbiger Muskelprotz der in stockendem englisch
Auskunft gibt.
Wann hast du Zeit mich rum zu führen fragt der ältere Mann, weißt du wo ich
Young Boys treffen kann.
Nun bin ich froh das ich mich nicht angeboten hatte, junge Burschen scheint das
Einzige was ihn wirklich interessiert.
Immer wieder bietet er die 200 $ an, mittlerweile beobachtet das ganze Kaffee
Die Verhandlungen.
Was denkt er denn wo er ist, im römischen Empire, wo die kleinen
Jungs nur darauf warten das ein Sugar Daddy sie vögelt und ihnen dann
Abendessen kauft.
Außerdem finde ich sein lautstarkes Auftreten äußerst gefährlich, Berlin
Ist zwar nicht NewYork, aber auch keine Kleinstadt in Michigan
Auch wir haben unsere Homosexuellen Leichen.
Morde die aus Mangel an Zeugen selten geklärt werden.
Einerseits fühle ich mich genötigt einzugreifen, Ihn zu warnen, zu retten
Vor der lauernden Gefahr, gleichzeitig bin ich aber auch abgestoßen
Von seiner vulgären Gier, hinter der sich seine Angst vor
Einsamkeit versteckt hält.
Ist er ein Spiegelbild dessen was mir in 10 oder 20 Jahren bevor steht,
Werde ich einsam in der Menge umher laufen und mir Gesellschaft
Für einen Abend zu erkaufen, weil ich zu alt bin, nicht mehr
Liebenswert bin in den Augen der Anderen, der Jungen, der Schönen.
Ich zahle während das feilschen weiter geht.
Ich wünsche dir das Beste Bob aus Michigan,
Ich wünsche dir schöne Urlaubserinnerungen
Von Berlin, manchmal hat man ja Glück.
Lose Zeitungen wehen über den Gehsteig,
Die Neuigkeiten von heute sind die alten vergessenen
Geschichten von morgen.
Meine Bahn bringt mich fort, zeigt mir den Weg zu meinem eigenen Leben.
Heute abend bin ich allein so wie Bob, nur kann ich mir noch etwas Stolz leisten
Mit meinen 35 Jahren.
Doch wie soll das weiter gehen, in was für einer Gesellschaft lebe ich.
Wer wird sich um mich sorgen, später, vielleicht auch schon früher.
Gibt es noch Freundschaft ohne Sex und wie tief geht sie wirklich in
Dieser neuen Gebrauchsgesellschaft.
Ab wann bin ich wertlos in den Augen der Anderen.
Ein Hund pinkelt an einen Haufen Glassplitter, einer zerschmissenen
Seitenwand der Bushaltestelle, es glänzt wie gelbe Edelsteine im
Laternenlicht.
Der Pizzaladen ist noch geöffnet, ein Stück für einen Euro steht
Verlockend auf einem Schild.
Seit Wochen gelüste ich danach, konnte aber bisher widerstehen.
Was warmes braucht der Mensch und ich brauche jetzt dieses
Stück Pizza.
Der Mann hinter der Theke lächelt, er lächelt wie der Besitzer des Joints.
Er lächelt weil er eine Frau hat und ein kleines Kind und weil sie
Sich bald auch einen kleinen Hund anschaffen werden um Ihr
Glück vollkommen zu machen.
Porzellan Clowns grinsen von der Decke, die Tische sind mit
Bestickten Tischdecken und kleinen Miniatur Vasen geschmückt.
Er steckt sogar mein Stück Pizza mit allem in den Ofen um den
Teig richtig knusprig zu machen, so wie ich es liebe.
Er lächelt immer noch, väterlich voll mit Mitgefühl, da er weiß
Das ich das Stück Teig, ganz allein
Ganz schnell auf dem Weg nach Hause
In mich hinein würgen werde
Um den Schmerz unten zu halten
Denn solange ich den Schmerz unterdrücken kann
Muss ich ihn nicht konfrontieren.
Ich lächle auch in seine leuchtenden Augen da ich ahne
Das er in ein paar Stunden seine Frau vögeln wird und sie danach
Nebeneinander einschlafen werden.
Ich lächle weil es jemanden gibt der glücklich ist heute Nacht
Und somit Hoffnung für mich besteht auch mein Glück zu finden
Und außerdem schmeckt die fette Pizza
Fucking good

Zerbrochen
aus einem Wurm wird kein Schmetterling wachsen
denn ein Wurm ist keine Raupe
ein Koerper kann ein Gefaengnis sein oder
der Seele ein zu Hause bieten
von Mund zu Mund wandert die Liebe
mit jedem Atemzug der eienen Empfaenger beruehrt
expoldierende Febnster verletzte privat Zone
gedankenlose Viren hoehlen den Menschen aus
wie einen verrotteten Baumstamm
die einst glaenzenden Haare fallen auf faulen Grund
die fruede vergiest sicch wie ein gespaltener Krug
der Leib ist zerbrochen was bleibt ist die Welt
und die Erinnerungen die die Spheren am Leben erhalten
Beleuchtete weltliche Momentaufnahmen
Form-Verwachsene Menschenhand Landschaft
Atomfrische Müllkippen Idylle mit Panorama-Einblick
Phantom-automatische Verhaltensstrukturen
Technologisierte Bio-logische-Denkmaschinen
Geologische Traumwüsten-Zukunftsperspektiven
Lebenssaft spendende Pixelgesellschaft
Rhetorisch überwältigende Vergangenheitsproblematik
Religiöse Moralapostel- Heroik
Planetarische Militär Erd-Einöde
Sterile Samen sprühende Gen-Politik
Aggressive polemisch artikulierte Verteidigungstaktiken
Sex - Drugs - und - Hip Hop gefährdete Suchtobjekte
Beschnittene Augenblicke menschlicher Zuneigung
Selbstbewusstes abtöten störender Gefühlsausbrüche
Kreatives entdecken des übermenschlichen Potentials
Tragische Sehnsucht nach dem Tod als ultimates Reiseziel
Orgastische strukturelle Auflösung des selbstinfizierten Ichs
Logische Vereinigung elitärer Gedankenbünde
Gebähren des wunschbefreiten unbegrenzten Glücks
Vereinigung der multiplen gespaltenen Persönlichkeitsaspekte
Innere Realisierung des ersehnten äußeren Friedens
contact
Launchitnow@aol.com
copyright 2005 Richard Schemmerer









